Sommer-Pressefahrt zu Brandenburgs historischen Gärten und Parks
- Erschienen am - PresemitteilungMinisterin Schüle und Minister Crumbach besuchen historische Gärten und Parks in Baruth, Altdöbern und Lauchhammer
Kulturministerin Dr. Manja Schüle und Infrastrukturminister Robert Crumbach haben heute im Rahmen einer gemeinsamen Sommer-Pressefahrt mit Landeskonservator Prof. Dr. Thomas Drachenberg besondere Gartendenkmale und Projekte zur Erhaltung historischer Garten- und Parkanlagen besucht. Auf dem Programm standen die Schlossparks in Baruth (Teltow-Fläming), Altdöbern und Lauchhammer (beide Oberspreewald-Lausitz). Dabei ging es um Maßnahmen zur Anpassung von Gartendenkmalen an den Klimawandel, aktuelle Herausforderungen bei Pflege und Erhalt sowie die Arbeit der Jugendbauhütte Gartendenkmalpflege.
Kulturministerin Dr. Manja Schüle: „Historische Gärten und Parks sind lebendige Zeugnisse unserer Kulturgeschichte. Sie prägen Landschaften und Orte, erzählen von vergangenen Zeiten und bieten zugleich wichtige Räume für Begegnung, Erholung und Naturerleben. Gleichzeitig stehen viele Gartendenkmale angesichts des Klimawandels vor großen Herausforderungen: Trockenheit, Extremwetterereignisse und veränderte Vegetationsbedingungen erfordern neue Strategien für ihren Erhalt. Mit unserer EFRE-Förderung und mit Projekten wie der Anpassung von Gartendenkmalen an den Klimawandel und der Förderung der Gartendenkmalpflege unterstützen wir Trägerinnen und Träger historischer Parks und Gärten gezielt dabei, ihre Anlagen widerstandsfähiger gegen die Folgen des Klimawandels zu machen. Und dieses wertvolle Kulturerbe für kommende Generationen zu bewahren.“
Infrastrukturminister und Schirmherr der Jugendbauhütte Gartendenkmalpflege im Schlosspark Altdöbern Robert Crumbach: „Die Förderung von Denkmalschutz und Stadtentwicklung haben das gleiche Ziel: lebenswerte Orte in Brandenburg zu erhalten und weiterzuentwickeln. Die Bürgerinnen und Bürger sollen sich wohl in ihrer Heimat fühlen und diese soll auch für Gäste attraktiv sein. Wir wollen die historische Bausubstanz mit einer zeitgemäßen Nutzungsmischung aus Wohnen, Gewerbe, Handel, Gastronomie sowie Kultur-, Bildungs- und Freizeitangeboten vereinbaren. Unsere historischen und teilweise denkmalgeschützten Parkanlagen im Land Brandenburg sind insbesondere in Zeiten des Klimawandels und erhöhter Hitzebelastung wertvolle Erholungsräume und werden deshalb bei der Stadtentwicklung berücksichtigt. Das Land Brandenburg unterstützt unter anderem die Wiederherstellung der bergbaubedingt stark beeinträchtigten historischen Parkanlage des Schlossparks Altdöbern seit 2009 aus Mitteln der Braunkohlesanierung. Der städtebauliche Denkmalschutz gehört zu den wesentlichen Aufgaben der Stadtentwicklung und wird im Rahmen aller Programme der Städtebauförderung unterstützt.“
Landeskonservator Prof. Dr. Thomas Drachenberg: „Die meisten der rund 400 denkmalgeschützten Gärten und Parks Brandenburgs sind Gesamtkunstwerke, deren Wert sich aus dem sensiblen Zusammenspiel von Vegetation, Wasser, Topografie, Wege und Bauwerken ergibt. Ihr Erhalt setzt eine kontinuierliche fachgerechte Pflege voraus, denn verlorene historische Substanz und Gestaltungsstrukturen sind meist unwiederbringlich. Deshalb müssen wir den Schutz dieser einzigartigen Zeugnisse der Gartenkunst vor den Folgen des beschleunigten Klimawandels ebenso entschlossen vorantreiben und zugleich die Voraussetzungen für ihre dauerhaft fachgerechte Pflege sichern.“
Hintergrund-Informationen:
Der Schlosspark Baruth geht auf eine mittelalterliche Burganlage zurück und entwickelte sich ab dem 16. Jahrhundert zu einem Schlossensemble mit Gartenanlagen, die im 18. Jahrhundert barock geprägt und ab 1838 nach Plänen Peter Joseph Lennés zu einem Landschaftspark umgestaltet wurden. Nach Verlusten der historischen Parkstruktur und des Gehölzbestandes nach 1945 wird die Anlage seit den 1980er Jahren schrittweise restauriert. Im Rahmen des EFRE-Projekts zur Klimaanpassung von Gartendenkmalen nutzt das Brandenburgische Landesamt für Denkmalpflege und Archäologische Landesmuseum (BLDAM) den Schlosspark Baruth als Pilotstandort, um neue Methoden zur Erfassung und Bewertung von Klimaschäden in historischen Gärten und Parks des Landes zu entwickeln. Ziel des mit 1,5 Millionen Euro aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) geförderten Projekts „Strategien und Handlungskonzepte für Präventions- und Risikomanagement für denkmalgeschützte Gärten und Parks des Landes“ ist es, in rund 300 der etwa 400 denkmalgeschützten Gärten und Parks Brandenburgs die Auswirkungen des Klimawandels systematisch zu erfassen und Handlungsempfehlungen für Prävention und Schadensmanagement zu entwickeln.
Schloss und Park Altdöbern zählen zu den bedeutendsten Kulturdenkmalen im südlichen Brandenburg. Die Anlage geht auf einen spätmittelalterlichen Adelssitz zurück und wurde 1717 für den sächsischen General Alexander Dietrich von Eickstedt mit einem barocken Garten errichtet. Mitte des 18. Jahrhunderts erfolgte eine Erweiterung der Anlage, bevor der Park zwischen 1881 und 1883 durch Eduard Petzold weitgehend zu einem Landschaftspark umgestaltet wurde. Der denkmalgeschützte Schlosspark lag im Einflussbereich des Tagebaus Greifenhain und wurde durch die bergbaubedingte Grundwasserabsenkung und den anschließenden Wasserwiederanstieg jahrzehntelang stark beeinträchtigt. Die von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD) initiierte „Internationale Jugendbauhütte Gartendenkmalpflege“ arbeitet seit 2009 im Schlosspark Altdöbern in Kooperation mit dem Amt und der Gemeinde Altdöbern. Durch die Arbeit der Jugendbauhütte ist es gelungen, Kernteile des Landschaftsparks zu revitalisieren und damit zur Aufwertung des Parks als regionales Kulturerbe beizutragen. Im Jahr 2018 wurde die Anlage deshalb auch in den Europäischen Parkverbund Lausitz aufgenommen.
Das Projekt im Schlosspark Altdöbern ist ein gelungenes Zusammenspiel von Bergbausanierung und „grüner“ Jugendbauhütte. Das Freiwillige Soziale Jahr im Rahmen der Jugendbauhütte dient der Denkmalpflege, sensibilisiert die Jugendlichen für diese Themenfelder und fördert gleichzeitig die Persönlichkeitsbildung und soziale Kompetenz. Seit Beginn der Jugendbauhütte hatten insgesamt 153 Jugendliche aus 15 Ländern die Chance, Klarheit über ihre eigenen Fähigkeiten und beruflichen Neigungen zu gewinnen. Die gemeinsame Zeit bietet aber auch die Möglichkeit, etwas über andere Länder und Kulturen zu erfahren. Im aktuellen Jahrgang kommen die acht Freiwilligen aus fünf Ländern (Algerien, Argentinien, Georgien, Weißrussland und Deutschland). Die Gemeinsame Landesplanungsabteilung im Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung fördert das Projekt anteilig aus § 4 des Bund-Länder-Verwaltungsabkommens Braunkohlensanierung. Das Land Brandenburg hat dafür im Zeitraum von 2009 bis 2022 insgesamt 1,2 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Im aktuellen Förderzeitraum von 2022 bis 2027 sind insgesamt Mittel in Höhe von rund 470.000 Euro für fünf Durchgänge mit jeweils acht Freiwilligen aus dem In- und Ausland bewilligt.
Der Schlosspark Lauchhammer geht auf einen Herrschaftssitz am Übergang der Schwarzen Elster zurück und erhielt ab dem 16. Jahrhundert erste Gartenanlagen. Im 18. Jahrhundert ließ Benedicta Margaretha Freifrau von Löwendal ein neues Schloss im kurfürstlich-sächsischen Barock sowie zahlreiche Wirtschaftsgebäude errichten. Ende des 18. Jahrhunderts wurde die Parkanlage unter Detlev Carl Graf von Einsiedel erstmals landschaftlich umgestaltet. Nach der Zerstörung und dem späteren Abbruch des Schlosses wurde der Park von 1945 bis 1990 zu einem öffentlichen Volkspark mit Parkeisenbahn weiterentwickelt. Nach erheblichen Schäden durch den Orkan Kyrill im Jahr 2007 wurde der Park auf Grundlage einer gartendenkmalpflegerischen Konzeption wiederhergestellt. Aktuell werden die Aufwertung des Schlossumfelds und die Entwicklung der denkmalgeschützten Orangerie weiter vorangetrieben. Der Schlosspark Lauchhammer zeigt, wie historische Gartenanlagen durch das Zusammenspiel von Kommune und Denkmalfachbehörden nachhaltig erhalten werden können. Die denkmalgerechte Sanierung der Orangerie unterstützte das Land Brandenburg in den vergangenen Jahren im Rahmen der Denkmalhilfe mit insgesamt 500.000 Euro.
Das Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung unterstützt Brandenburger Kommunen seit 1991 bei ihrer nachhaltigen Stadterneuerung und -entwicklung. Seit nunmehr 35 Jahren ist die Städtebauförderung damit das wichtigste und beständigste kommunale Förderprogramm und unverzichtbar für die Bewältigung kommunaler Aufgaben bei der Entwicklung der Städte und Gemeinden im Land Brandenburg. Hierfür stehen die drei Förderprogramme „Lebendige Zentren“, „Sozialer Zusammenhalt“ und „Wachstum und nachhaltige Erneuerung“ zur Verfügung. 2025 wurden im Rahmen dieser Programme für die Jahre 2025 bis 2031 rund 76 Millionen Euro von Bund und Land bewilligt. Darunter fallen rund 32,9 Millionen Euro von Bund und Land für 61 Fördergebiete in 52 Kommunen aus dem Programm Lebendige Zentren – das zentrale Förderinstrument, mit dem wir den Erhalt, die Sanierung und Nachnutzung von Denkmalen und historischer Bausubstanz im städtebaulichen Zusammenhang umfassend unterstützen können. Neben den oben genannten Bund-Länder-Programmen bietet das aus dem Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) finanzierte Programm Nachhaltige Stadtentwicklung (NaS) auch für Denkmale vielfältige Unterstützungsmöglichkeiten.
Im Rahmen des städtebaulichen Denkmalschutzes unterstützt das Ministerium die Kommunen auch beim Erhalt und der Aufwertung ihrer Park-, Garten- und Grünanlagen sowie bei der Anpassung dieser an neue Rahmenbedingungen wie Klima und Barrierefreiheit. Beispiele hierfür sind – neben den Schlossparks in Baruth (rund 1,16 Millionen Euro von Bund, Land und Kommune für die Instandsetzung Altes Schloss, Eiskeller und Wandelgang, Außenanlagen und Zuwegung) und Lauchhammer (10.700 Euro für den Erwerb von Forsthaus, Kavaliershaus und Orangerie, 10.700 Euro für die Sicherung des Forsthauses sowie rund 663.000 Euro von Bund, Land und Kommune für die Sicherung und Instandsetzung der Gebäudehülle der Orangerie) – der Landschaftspark „Georgenberg“ in Spremberg, der Schlosspark in Senftenberg oder der Tempelgarten in Neuruppin.
Das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur hat die Sanierung von Denkmalen im Jahr 2025 mit insgesamt rund 30 Millionen Euro aus Landesmitteln unterstützt. Rund 18,12 Millionen Euro bekamen Stiftungen zum Erhalt der Bausubstanz. Rund 2,5 Millionen Euro flossen über die allgemeine Kulturförderung in denkmalgeschützte Bauten. Weitere 3,4 Millionen Euro standen für Denkmalförderprogramme bereit. Rund 3 Millionen Euro erhielten Kirchen, Religionsgemeinschaften und Kommunen für die Sanierung sakraler Gebäude und jüdischer Friedhöfe.
Mit rund 2,9 Millionen Euro konnten im Rahmen der Richtlinie zum Schutz historischer Gärten im vergangenen Jahr insgesamt neun Klimaanpassungs-Projekte der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, der Stiftung Fürst-Pückler-Museum – Park und Schloss Branitz, des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologischen Landesmuseums, der Stadt Brandenburg an der Havel sowie der Universität Potsdam fortgesetzt werden. Zu den Projekten gehören unter anderem der nachhaltige Wegebau im Park Babelsberg, der Aufbau eines Regenwasserspeichers im Botanischen Garten in Potsdam und die Entwicklung eines nachhaltigen, klimaschonenden Betriebes des Schlossgartens Rheinsberg (Ostprignitz-Ruppin). Insgesamt stehen von 2023 bis 2027 bis zu 30 Millionen Euro für Klimaanpassungsmaßnahmen zur Verfügung, darunter bis zu 18 Millionen Euro aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und weitere bis zu 12 Millionen Euro aus Landesmitteln des Kulturministeriums.