25.01.2021

| Presseinformation

40 Millionen Euro für Denkmale in Brandenburg

Kulturministerin Schüle und Infrastrukturminister Beermann präsentieren mit Partnern Förderprogramme und sanierte Denkmale Kulturministerin

Manja Schüle und Infrastrukturminister Guido Beermann haben heute in Potsdam gemeinsam mit Landeskonservator Thomas Drachenberg sowie Torsten Braun, Vorsitzender des Unabhängigen Bürgervereins Plaue e.V., und Ralf Gebuhr, Leiter des Museums Angermünde, eine Bilanz zur Denkmal-Förderung 2020 im Land Brandenburg präsentiert.

Im vergangenen Jahr wurden insgesamt rund 40 Millionen Euro aus Mitteln des Kulturministeriums und des Infrastrukturministeriums in die Sicherung, Sanierung und Restaurierung von Denkmalen investiert.

Kulturministerin Manja Schüle: „Brandenburg ist reich an Denkmalen: Es sind aber nicht nur die preußischen Schlösser und Gärten, die unsere Denkmallandschaft ausmachen. Dazu gehören auch alte Industrieanlagen, aufgegebene Ölmühlen, frühere Brauereien, imposante Klöster, archäologische Stätten – und vor allem viele Kleinode in den Städten und Dörfern. Wie etwa die bundesweit einmalige Schiffsmastlegeanlage Plaue. Viele dieser Kleinode wären ohne privates und vielfach ehrenamtliches Engagement nicht zu erhalten. Zahlreiche Vereine, Förderkreise und Freiwillige setzen sich überall in unserem Land mit Leidenschaft, Beharrlichkeit, Kreativität und Herzblut für den Erhalt historischer Bausubstanz ein. Dafür steht, stellvertretend für viele andere, besonders eindrucksvoll der Unabhängige Bürgerverein Plaue, der sich seit Jahren um die Schiffsmastlegeanlage kümmert. Der Denkmalschutz ist eine der größten Bürgerbewegungen in Brandenburg. Um dieses herausragende Engagement zu würdigen, haben wir unsere Denkmalhilfe zur Sicherung und Sanierung von bedrohten Gebäuden in diesem Jahr um 370.000 Euro auf 1,87 Millionen Euro aufgestockt. Das ist ein wichtiges Signal. Der Denkmalschutz trägt zur Belebung von Orten bei, schafft Gemeinschaft und steht für Nachhaltigkeit und regionale Identität.“

Infrastrukturminister Guido Beermann: „Die Entwicklung der brandenburgischen Städte in den vergangenen 30 Jahren ist eine Erfolgsgeschichte. Vor allem die Innenstädte unseres Landes sind heute bekannt für ihr vielfältiges und identitätsstiftendes historisches Erbe. Um sie für ihre Bürgerinnen und Bürger, den Tourismus und die Zukunft noch attraktiver zu machen, müssen wir dieses Erbe bewahren und weiterentwickeln. Deshalb gehören Denkmalschutz und Denkmalpflege zu den wesentlichen Bereichen der Stadtentwicklung. Das ist eine Gemeinschaftsaufgabe, bei der wir die vielen beteiligten Akteure auch weiterhin unterstützen. Mit dem neuen Bund-Länder-Programm ‘Lebendige Zentren‘ haben wir ein Förderinstrument, mit dem wir Ziele der Städtebauförderung mit Blick auf den Erhalt, die Sanierung und Nachnutzung von Denkmalen und Bausubstanz mit historischer Bedeutung weiterverfolgen. Gleichzeitig fokussieren wir aber noch stärker auf die Nutzungsvielfalt sowie auf die Profilierung der Innenstädte und auf Zukunftsthemen wie den Klimaschutz und die Klimaanpassung. Allein für die bisher im Rahmen des Programms Städtebaulicher Denkmalschutz unterstützten Gesamtmaßnahmen stehen im Programm ‘Lebendige Zentren‘ für 2020 bis 2024 mehr als 27 Millionen Euro Bundes- und Landesmittel zur Verfügung.“

Landeskonservator Thomas Drachenberg: „Denkmalpflege ist Nachhaltigkeit pur! Es muss Konsens in der Gesellschaft werden, dass auch über die Denkmallandschaft hinaus Abriss Verschwendung ist – vielmehr sind Pflege und Reparatur angesagt. Wir müssen gesamtgesellschaftlich lernen, mit unseren Ressourcen sparsam umzugehen.“

Torsten Braun, Vorsitzender des Unabhängigen Bürgervereins Plaue e.V.: „Ich freue mich, dass mit der Mastlegeanlage nach der alten Plauer Brücke und dem Tontaubenschießstand im Schlosspark ein weiteres Denkmal mit deutschlandweiter Bedeutung gerettet werden konnte. Die Anlage bezeugt die Geschichte der Fischer- und Schifferstadt Plaue an der Westgrenze Brandenburgs. Wie auch bei den anderen Objekten konnte die Sanierung nur gelingen, weil sich Bürgerinnen und Bürger aus der Stadt und Region ehrenamtlich für ihr Denkmal engagierten.“

Ralf Gebuhr, Leiter des Museums Angermünde: „Dank dem großen Engagement aller Beteiligten und der Fördermittel aus dem Infrastrukturministerium konnte das Ensemble ‘Haus Uckermark‘ nach jahrzehntelangem Leerstand von der Stadt übernommen, saniert und wieder in Nutzung gebracht werden. Unter seinem Dach sind nun ein Veranstaltungssaal, die Tourist-Information und das Städtische Museum untergebracht, das auf eine mehr als 100-jährige Tradition zurückblickt. Durch die barrierefreie Erreichbarkeit sowie neue attraktive Räumlichkeiten und Angebote werden zusätzliche Besucherinnen und Besucher angezogen: Damit leistet dieses Vorhaben einen wichtigen Beitrag zur weiteren Belebung und Attraktivität des reizvollen Stadtkerns.“

Das Kulturministerium hat die Sanierung von Denkmalen im Jahr 2020 mit knapp 13 Millionen Euro unterstützt. Rund 6,7 Millionen Euro flossen an Stiftungen für den Erhalt ihrer Bausubstanz: 

  • Rund 2,25 Millionen gingen an die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg für den Erhalt ihrer historischen Bauten und Gartenanlagen.
  • Rund 730.000 Euro flossen an die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten für die Sanierung des historischen Baubestandes.
  • Rund 3,7 Millionen Euro gingen an die Stiftung Stift Neuzelle für die weitere Instandsetzung der Klostergebäude und des Barockgartens.

Mit rund 3,6 Millionen Euro wurden Kirchen, Religionsgemeinschaften und Kommunen im vergangenen Jahr bei der Sanierung von sakralen Gebäuden und Jüdischen Friedhöfen gefördert:

  • Der Großteil der Mittel – rund 1,5 Millionen Euro – ging im Rahmen des Staatskirchenvertrages an die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz. Damit konnten 22 Kirchensanierungen gefördert werden. Die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland erhielt 138.000 Euro.
  • Rund 1,57 Millionen Euro gingen an den Brandenburger Dom. Die Katholische Kirche erhielt 50.000 Euro für ein Einzelvorhaben im Bistum Görlitz und 20.000 Euro für ein Einzelvorhaben im Erzbistum Berlin.
  • Die Selbständige Evangelisch-Lutherische Kirche erhielt 24.000 Euro für zwei Bauprojekte.
  • Jüdische Gemeinden im Land Brandenburg erhielten rund 275.000 Euro für Sicherheitsmaßnahmen an denkmalgeschützten Gemeindehäusern und rund 8.000 Euro für die Sanierung jüdischer Friedhöfe.

2,5 Millionen Euro standen für Denkmalförderprogramme des Kulturministeriums bereit:

  • Mit rund 1 Million Euro wurde das Bundesprogramm zur Erhaltung national wertvoller Kulturdenkmale kofinanziert. Damit wurden Sanierungen an der Wunderblutkirche in Bad Wilsnack, an der Kirche St. Nikolai in Jüterbog, an der Borsighalle in Eberswalde, am Südwestkirchhof in Stahnsdorf, am Schloss Branitz, an der Patentpapierfabrik Hohenofen und an der Kachelofenfabrik Velten gefördert. In diesem Jahr können 1,3 Millionen Euro bereitgestellt werden.
  • Zudem standen im Rahmen der Denkmalhilfe 1,5 Million Euro zur Sicherung von bedrohten Denkmalen zur Verfügung. Damit konnten 43 dringende Projekte gefördert werden, darunter auch die Sicherungs- und Sanierungsmaßnahmen an der Schiffsmastlegeanlage in Plaue. Weitere Beispiele zu geförderten Projekten im Rahmen der Denkmalhilfe finden sich in der Anlage. In diesem Jahr stehen 1,87 Millionen Euro für die Denkmalhilfe bereit.

Die Schiffsmastlegeanlage Plaue ist Teil der historischen Schleuse Plaue am alten Plauer Kanal. Die genaue Erbauungszeit ist nicht bekannt. Mit Hilfe der historischen Mastlegeanlage wurden im 18. und 19. Jahrhundert die Masten der auf dem Plauer Kanal verkehrenden Segellastkähne gelegt und aufgestellt. So konnten die Kaffenkähne, mit denen Salz aus Magdeburg oder Torf und Ziegel auf dem Wasserweg nach Berlin transportiert wurden, den Kanal passieren. Zwischen Plauer Schleuse und Elbe wurde auf dem 1745 auf Geheiß Friedrich des Großen angelegten Plauer Kanal getreidelt. Mit dem Aufschwung der Dampfschifffahrt in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden Segellastkähne nicht mehr gebraucht. Der Kranarm wurde demontiert und die Schiffsmastlegeanlage verfiel. Das technische Denkmal ist heute die letzte erhaltene Schiffsmastlegeanlage in Deutschland. Auf Initiative des Unabhängigen Bürgervereins Plaue e.V. wurde die Anlage in Kooperation mit vielen Unterstützer*innen wieder instandgesetzt. Die Sanierung des Bauwerks, unter anderem mit neuen Ziegeln und Sandsteinplatten, wurde im vergangenen Jahr mit 43.000 Euro aus der Denkmalhilfe gefördert.

Weitere Informationen: www.plaue-havel.de 

Das Infrastrukturministerium unterstützt seit vielen Jahren Kommunen und private Eigentümer bei der Erhaltung, Sanierung und Weiterentwicklung ihrer Denkmale im städtebaulichen Kontext. Dank der verschiedenen Programme der Städtebau- und Wohnraumförderung konnten große Teile der historischen Gebäudesubstanz in den Städten Brandenburgs gerettet und saniert werden. Die Erhaltungs- und Sanierungsziele, aber auch die engen Verflechtungen von Stadterneuerung und Denkmalpflege im bisherigen Bund-Länder-Programm Städtebaulicher Denkmalschutz werden im 2020 eingeführten neuen Bund-Länder-Programm ‘Lebendige Zentren‘ ohne Qualitätsverluste weiterverfolgt. Bis 2024 stehen 36 historischen Stadtkernen und denkmalgeprägten Innenstadtbereichen in 30 Kommunen gut 27 Millionen Euro von Bund und Land zur Verfügung. Diese Mittel fließen unter anderem in die Sanierung und Weiterentwicklung des Klosterensembles Kyritz zum Kulturstandort, in die Sanierung der Rathäuser in Luckau und Potsdam sowie in die Sanierung der Hyparschale in Templin, ein denkmalgeschützter Bau von 1972, der nach jahrelangem Leerstand zu einer Kita umgebaut wird.

Ein herausragendes Beispiel für den Städtebaulichen Denkmalschutz ist das ‘Haus Uckermark‘ mit Tourist-Information und Museum in Angermünde (Landkreis Uckermark). Das Ensemble entstand im 17. Jahrhundert. Die am Markt gelegenen Häuser am Hohen Steinweg Nr. 17 und 18 entstanden zwischen 1692 und 1695. Seit dem 19. Jahrhundert wurde das Haus Nr. 17 als Gasthaus ‘Goldener Adler‘ genutzt. Im Gartenbereich entstand 1896 ein Saalbau, in dem 1911 auch die ersten Filmveranstaltungen in Angermünde stattfanden. Ein eigener Kinosaal wurde 1935 neben dem alten Saalbau errichtet. Als ‘Haus Uckermark‘ wurde die Gaststätte nach 1949 weitergeführt. Der alte Saal musste nach einem Brand abgerissen werden. Als in der Stadt ein neuer Standort für das Museum diskutiert wurde, entschied man sich für das alte ‘Haus Uckermark‘ im Herzen der Stadt. Wegen seiner zentralen Lage und den historischen Wurzeln hat es alle Voraussetzungen, zu einem neuen kulturellen Zentrum des Ortes zu werden. Bei den Planungen, die seit 2014 umgesetzt wurden, fanden alle wesentlichen Ansprüche an ein modernes Museum Berücksichtigung: eine moderne Ausstellung, Räume für Sonderausstellungen, Möglichkeiten für die museumspädagogische Arbeit, ein modernes Depot für die Sammlung, eine Bibliothek für Forschungen sowie ein Veranstaltungsraum. Zudem wurde die Tourist-Information hier eingerichtet. Einschließlich des Eigenanteils der Stadt Angermünde flossen allein 4,7 Millionen aus dem Bund-Länder-Programm Städtebaulicher Denkmalschutz in das Vorhaben.

Die Fotos zur Schiffsmastlegeanlage Plaue (Quelle: UBV Plaue e.V.) und zum ‘Haus Uckermark‘ (Quelle: Museum Angermünde) können für Veröffentlichungszwecke in der Presse und unter Angabe der Quelle unter https://we.tl/t-AYULUXD9U7 heruntergeladen und genutzt werden.

Landesweit sind rund 14.000 Baudenkmale in der Denkmalliste des Landes verzeichnet. Von mehr als 40.000 archäologischen Fundplätzen sind etwa 11.000 als flächenmäßig abgegrenzte Bodendenkmale eingetragen. Die ältesten Bodendenkmale sind Feuersteinwerkzeuge aus der Zeit des Neandertalers vor rund 130.000 Jahren, gefunden im Braunkohletagebau bei Jänschwalde (Spree-Neiße). Das jüngste Bodendenkmal ist ein Fluchttunnel unter den DDR-Grenzanlagen von 1961 in Glienicke-Nordbahn (Oberhavel). Die ältesten Baudenkmale reichen bis ins 12. Jahrhundert zurück, so etwa die Klöster in Lehnin (Potsdam-Mittelmark), Zinna (Teltow-Fläming) und Doberlug-Kirchhain (Elbe-Elster) oder der um 1200 entstandene Burgturm in Stolpe (Uckermark). Eines der jüngsten Baudenkmale ist die Förderbrücke F60 in Lichterfeld (Elbe-Elster) aus dem Jahr 1988.

Für Fragen des Denkmalschutzes sind in Brandenburg die 18 Unteren Denkmalschutzbehörden der Landkreise und kreisfreien Städte sowie die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg zuständig. Obere Denkmalfachbehörde des Landes ist das Brandenburgische Landesamt für Denkmalpflege und Archäologische Landesmuseum mit Sitz in Wünsdorf (Teltow-Fläming).

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Datum
25.01.2021
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