Toolbar-Menü

15.06.2022

| Presseinformation

Präsentation der Stadtentdecker in Cottbus

Die "Stadtentdecker" präsentieren ihre Projekte © MIL
Die "Stadtentdecker" präsentieren ihre Projekte © MIL

Infrastrukturminister Beermann hat heute die Regine-Hildebrandt-Grundschule in Cottbus besucht. Schülerinnen und Schüler der 6. Klassen haben ihr Stadtentdeckerprojekt vorgestellt. Die Stadtentdecker – ein Partizipationsprojekt zur baukulturellen Bildung von Kindern und Jugendlichen – hat sich seit 2013 als gemeinsames Projekt des Ministeriums für Infrastruktur und Landesplanung mit der Brandenburgischen Architektenkammer an Brandenburger Schulen etabliert.

Infrastrukturminister Guido Beermann: „Ich freue mich, dass ich in diesem Jahr an der Präsentation der Arbeiten der Schülerinnen und Schüler teilnehmen konnte. Die Corona-Pandemie hat die Durchführung der Projektarbeit erschwert. Aber der Einfallsreichtum der Kinder kannte keine Grenzen und auch ich konnte mich über „Stadtentdeckerpost“ aus Cottbus freuen. Damit wurde mir der Stadtteil Sachsendorf-Madlow in Bildern, Fotos, reichlich dekoriert mit Glitzerstaub, vorgestellt. Mit dem Projekt Stadtentdecker erhalten Schülerinnen und Schüler auf dem Land und in der Stadt die Chance, sich unter fachkundiger Anleitung einer Architektin oder eines Architekten mit ihrem baulich gestalteten Lebensumfeld auseinander zu setzen. Dazu gehören neben ihrem Zuhause und der Schule auch die Straßen und Plätze, auf denen sie ihre Freizeit verbringen. Sie sollen auf Entdeckungsreise gehen und die Möglichkeit haben, die Zukunft ihrer Stadt ideenreich, jugendgerecht und verantwortungsbewusst mitzugestalten. In dem Projekt können sie mit fachkundiger Begleitung ihre Stadt mit professionellem Blick anschauen und analysieren und lernen so, wie Stadtentwicklung funktioniert. Ich freue mich über die große Resonanz an den Schulen.“

Das Projekt „Die Stadtentdecker“ ist ein Förderprogramm des Ministeriums für Infrastruktur und Landesplanung zur Sensibilisierung und Aktivierung von Kindern und Jugendlichen für Stadtentwicklungsthemen. Die Projekte werden von den Schulen in Kooperation mit der jeweiligen Kommune, dem Schulträger und der Brandenburgischen Architektenkammer durchgeführt. Das Ministerium für Bildung, Jugend und Sport (MBJS) und das Landesinstitut für Schule und Medien (LISUM) unterstützen das Projekt. Schülerinnen und Schüler setzen sich, angeleitet von den projektbegleitenden Architektinnen und Architekten und mit Unterstützung der Lehrkräfte unter einem bestimmten Schwerpunkt mit ihrer Stadt oder Gemeinde auseinander. Ihr Lebensumfeld und soziales Zentrum wird zum Erkundungsraum, indem sie die vorhandene oder fehlende Qualität ihrer gebauten Umgebung analysieren, dokumentieren und bewerten und eigene Ideen, Wünsche und Gestaltungsvorschläge erarbeiten. So erwerben die Kinder und Jugendlichen Grundlagenwissen zur eigenen Raumwahrnehmung, zu Planungs- und Darstellungstechniken sowie demokratischen Zielfindungs- und Entscheidungsprozessen im Kontext mit regionaler Baukultur. Hier erkennen sie, das ihr Engagement in ihrem eigenen Stadtteil oder ihrem Dorf ihnen eine Stimme gibt und sie so in demokratische Entscheidungsprozesse der Stadt- und Dorfentwicklung einbezogen werden.

Das Projekt „Die Stadtentdecker“ ist so angelegt, dass es mit den Lerninhalten mehrerer Unterrichtsfächer unterschiedlicher Schulstufen kompatibel ist: zum Beispiel Deutsch, Kunst, Geografie oder Gesellschaftswissenschaften. Die im Schuljahr 2017/18 eingeführten Rahmenlehrpläne weisen darüber hinaus Kompetenzziele aus, die fächerverbindend grundlegende Fähigkeiten fördern. Auch hier gibt das Projekt wertvolle Impulse in den Unterricht, wenn es zum Beispiel darum geht, Fachbegriffe anzuwenden, ein Interview zu planen, eine Befragung durchzuführen oder eine Präsentation mit modernen Medien vorzustellen.

Seit 2020 stehen jährlich für 15 Projekte insgesamt 82.500 Euro zur Verfügung. Die Projekte werden jeweils mit höchstens 85 Prozent und maximal 5.500 Euro Zuschuss gefördert. Seit 2013 fanden 72 Stadtentdecker-Projekte in 24 Brandenburger Kommunen statt. Das Projekt erfährt bundesweite Aufmerksamkeit, zuletzt beim Bundeskonvent der Baukultur Anfang Mai 2022 in Potsdam. Es wurde als vorbildliches Projekt für Baukultur und für lokale Demokratie („Engagement lohnt sich!“) vorgestellt.

Stadtentdeckerprojekt der Europaschule Regine-Hildebrandt-Grundschule

Das Projekt der Schule konnte über drei Schuljahre hinweg laufen, weil der Stadtteil Sachsendorf-Madlow im Rahmen des Programms Sozialer Zusammenhalt gefördert wird.  Inhalt des Stadtentdecker-Projektes war, die Entdeckung von Orten und Bauwerken aus der Zeit der 70er und 80er Jahre in Cottbus. Dabei haben sich die Schülerinnen und Schüler auch auf die städtebauliche Brachfläche im Stadtzentrum fokussiert. Seit mehr als 15 Jahren ist die dortige einst 1970 neu konzeptionierte Stadtpromenade mit seinem gesamten baukünstlerischen Erbe nahezu komplett aus dem Stadtbild verschwunden. Diese einst öffentliche Fläche ist seit dem flächenmäßigen Abriss privatisiert und wartet auf eine städtebauliche Entwicklung. Die projektbegleitenden Architekten wollten die jetzt schon historischen Orte mit den Stadtentdeckern nicht nur besuchen und entdecken, sie sollten auch ein Gefühl für den historischen Hintergrund entwickeln. Grundlage waren originale DDR-Postkarten. Mit wachen Augen mussten die Schülerinnen und Schüler auf dem Stadtspaziergang ihre Heimatstadt durchstreifen, um diese Orte ausfindig zu machen. Dann sollte der beste Standort für ein Foto des jetzigen Zustandes gefunden werden. Im zweiten Teil des Stadtspaziergangs ging es dann ins Neubaugebiet Sachsendorf­-Madlow, wo auch die Regine-Hildebrandt-Grundschule steht und viele Schülerinnen und Schüler wohnen. Hier sollten die Besonderheiten der Plattenbauten der achtziger Jahre fotografiert werden, Hauseingänge, Treppenhäuser und Fassaden, aber auch Lieblingsorte, Spiel- und Treffpunkte. Die Vielzahl der fotografierten Orte, mit denen jetzt die unterschiedlichsten Eindrücke und Erlebnisse der Kinder verbunden waren, wurden auf der Stadtkarte markiert.

Danach wurden die Fotos für die neuen Ansichtskarten ausgewählt. Bei der Gestaltung gab es keine Grenzen und so kamen die verrücktesten Ideen zustande, es wurde collagiert, gemalt und mit Glitzer und Aufklebern nicht gespart. Die Ansichtskarten mussten jetzt nur noch versendet werden. Im Deutschunterricht lernten die Kinder, wie Postkarten mit Adressen und Texten beschriftet werden, um sie dann mit der Post zu verschicken. Stadtentdecker-Post bekamen unter anderem der Cottbuser Oberbürgermeister, das Stadtplanungsamt, Professoren der Universität Cottbus, aber auch Oma und Opa und die Geschwister. 40 Ansichtskarten wurden versendet. Die Schülerinnen und Schüler haben durch die Beantwortung der Postkarten, unter anderem von Minister Beermann, von Oberbürgermeister Kelch, der Hochschule Cottbus und Angehörigen eine große Anerkennung ihrer Projektarbeit erfahren und wurden zur Weiterarbeit motiviert.

Die Schülerinnen und Schüler haben in Architekturmodellen ihre Wünsche, Ideen und Sehnsüchte für diese triste Brachfläche in der Stadtmitte dargestellt. Heute konnten sie diese als Stadtentdecker und zukünftige Nutzerinnen und Nutzer der Stadt Cottbus vorstellen.

Ident-Nr
Presseinformation
Datum
15.06.2022
Ident-Nr
Presseinformation
Datum
15.06.2022