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Potsdam: Ausstellung zum Brandenburgischen Baukulturpreis 2025 eröffnet

- Erschienen am 06.05.2026 - Presemitteilung Presseinformation

Brandenburgs Bau-Staatssekretär Volker-Gerd Westphal hat heute in Potsdam die Ausstellung „Brandenburgischer Baukulturpreis 2025“ eröffnet. Die Ausstellung in der Stadt- und Landesbibliothek im Bildungsforum kann vom 7. Mai bis zum 21. Juni 2026 während der Öffnungszeiten im Foyer besucht werden. Sie würdigt vorbildliche Projekte, die interdisziplinäre Zusammenarbeit und nachhaltiges Planen und Bauen in Brandenburg beispielhaft umsetzen.

Die Brandenburgische Architektenkammer (BA) und die Brandenburgische Ingenieurkammer (BBIK) hatten mit Unterstützung des Ministeriums für Infrastruktur und Landesplanung (MIL) bereits zum neunten Mal den Brandenburgischen Baukulturpreis ausgelobt. Die Auszeichnung fand im Dezember 2025 statt. Insgesamt waren 74 Projekte eingereicht worden. 

Aus allen eingereichten Arbeiten wurde das herausragende Projekt Eisenbahnüberführung über die Oder bei Küstrin ausgezeichnet. Es hat laut Entscheidung der Jury eine Vorbildwirkung entsprechend den Zielen der Brandenburger Erklärung zur Baukultur „Gute Baukultur – Ein Gewinn für alle Städte und Gemeinden“. 

Die Planung und der Bau der neuen Eisenbahnbrücke über die Oder bei Küstrin erfolgten in Zusammenarbeit zwischen der Deutschen Bahn AG und der polnischen Staatsbahn PKP. Die Brücke ist Teil des Streckenerneuerungsprojekts „Ostbahn“ Berlin – Kostrzyn nad Odrą – Gorzów – Bydgoszcz, und wurde als staatsvertraglich geregeltes Grenzbauwerk umgesetzt und ist damit ein Sinnbild für das Zusammenwachsen Europas.

Die Küstriner Oderbrücke passt sich mit ihrer schlanken Form und Gestaltung ideal in das Landschaftsbild ein. Durch ihre Farbgebung bildet sie eine strahlende Landmarke in der weitläufigen Flusslandschaft, ohne die natürliche Umgebung zu dominieren. Sowohl die ästhetische Gestaltung als auch die technische Innovation machen dieses Bauwerk einzigartig. Der 266 Meter lange Neubau der Brücke besteht aus einer 130 Meter langen zweigleisigen Netzwerkbogenbrücke und einer integrierten Vorlandbrücke. Das in Verbundbauweise ausgeführte Bauwerk besticht durch seine filigrane Eleganz und zeitlose Gestaltung bei höchster Leistungsfähigkeit. 

Durch perfekt ausgebildete Querschnittsübergänge an den Bogenfußpunkten gelang den Planenden eine harmonische Einbindung des Bogens in das Gesamtbauwerk. Durch den Einsatz vorgespannter Zugglieder aus Carbon anstelle herkömmlicher Flachstahlhänger konnte das Eigengewicht der Brücke wesentlich reduziert werden. Aufgrund der hohen Zugfestigkeit der Carbonhänger und ihrer besseren Ermüdungsfestigkeit gegenüber Stahl ergaben sich gestalterische Möglichkeiten, die optimal genutzt wurden. Die Materialeinsparung und die besseren Eigenschaften der Zugglieder aus Carbon reduzieren die Baukosten und den Aufwand für die Unterhaltung des Bauwerks erheblich. Eine spezielle Verschubtechnik während der Montage vor Ort verkürzte die Bauzeit und verringerte den Eingriff in die Natur und Landschaft. Die Brücke ist für eine spätere Elektrifizierung vorgesehen. Am 29. Juli 2024 erfolgte die Verkehrsfreigabe der Oderbrücke Küstrin nach mehr als 3 Jahren Bauzeit. 

Entwurf: Schüßler-Plan (Objekt- und Tragwerksplanung) und Knight Architects (Architektur)

Zwei Sonderpreise für außergewöhnliche Leistungen:

Sonderpreis für öffentliches Bauen im Bestand für Sanierung und Umbau Rathaus Frankfurt (Oder)

Das Frankfurter Rathaus ist eines der ältesten Gebäude der Stadt. Es besteht aus zwei Gebäudeteilen, dem historischen Rathaus aus dem 13./14. Jahrhundert und einem dreiflügeligen Erweiterungsbau um einen Innenhof, der 1913 fertiggestellt wurde. Der prunkvolle Südgiebel des mittelalterlichen Gebäudeteils entstand in der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts. Zwischen 1607 und 1610 fand ein Umbau statt, bei dem unter anderem der nördliche Rathausturm im Stil der Renaissance hinzugefügt wurde. Das Rathaus ist ein bedeutsames Zeugnis der gotischen Profanbaukunst Norddeutschlands, wurde in seiner über 700-jährigen Geschichte und nicht zuletzt durch die verheerende Zerstörung der historischen Innenstadt im 2. Weltkrieg stark verändert. Durch den Erhalt großer Teile der historischen Fassade behielt das Gebäude – besonders im Zusammenspiel mit der Marienkirche – seine große Bedeutung für die Identität der Bürger. Im Innern hatte es durch diverse Einbauten seine Qualität und Großzügigkeit verloren und diente als Zweckbau. Durch die Sanierung ist es gelungen, das Versprechen des beeindruckenden Äußeren auch im Inneren erlebbar zu machen und den Raum dort in ein attraktives Zentrum für die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Frankfurt und deren Anliegen zu verwandeln. Das Atrium lädt durch seine lichtdurchflutete Großzügigkeit dazu ein. Der in Wahrnehmung und Bautechnik schwellenlose Zugang öffnet ihn für alle Besucher. Die kluge Tragkonstruktion der Galerie, die die verschiedenen Ebenen stützenfrei miteinander verbindet, trägt wesentlich zur besonderen Wirkung des Raumes bei. Die anspruchsvoll gestaltete Decke gibt dem Raum einen außergewöhnlichen Charakter. Holzelemente in verschiedenen geometrischen Formen und Oberflächen sind ein wiederkehrendes Motiv. In der Wandelhalle passen sie sich paraventartig in die mittelalterlichen Strukturen ein. Feinsinnig gelöste Funktionen – wie etwa die ‚Türgriffe‘ – geben den anspruchsvollen Elementen eine besondere Raffinesse. Durch unterschiedliche Detailsprache gelingt es, die einzelnen Bauphasen in ihrer Eigenart zu erhalten und durch die Wegnahme von Überformungen wieder erkennbar zu machen.

Entwurf: Feldhusen Fleckenstein, Schwarz Architekten

Das Rathaus Frankfurt (Oder) ist durch Sanierung und Umbau ein anspruchsvolles, offenes Haus der Stadtpolitik geworden, das zur Wertschätzung des Gemeinwesens beiträgt. Von Bund und Land wurden für die Sanierung rund 18,9 Millionen Euro Stadtumbaumittel bewilligt.

Sonderpreis für Städtebau und Wohnen für LIF – Leben im Fläming Bad Belzig

Der Stadtrand von Bad Belzig ist durch eine lockere Einfamilienhausbebauung geprägt. Auf einem handtuchförmigen Baugrundstück werden im Gegensatz dazu vier zwei- bis dreigeschossige Veranda-Wohnhäuser und drei eingeschossige Gemeinschaftshäuser mit einer für diese Lage dichten Bebauung räumlich spannungsreich platziert. So entsteht ein Wechselspiel aus gemeinschaftlichen Plätzen und abwechslungsreichen Landschaftsräumen. Damit wird der fortschreitenden Zersiedlung mit hohem Flächenverbrauch eine alternative Wohn- und Lebensform entgegengesetzt. Der tragende Gemeinschaftsgedanke kommt dabei vielfach zum Ausdruck und steht im Kontrast zu einem überbordenden Individualismus der gängigen benachbarten Einfamilienhausstrukturen. 

Hinzu kommt, dass die drei kollektiv finanzierten Gemeinschaftshäuser teils auch den Belzigern offenstehen. Jedes der Wohnhäuser nimmt bis zu 13 Einheiten auf, die in ihrer Größe von 48 bis 130 Quadratmeter variieren und zusammen mit dem Angebot der großzügigen Verandaräume im Lebenszyklus der rund 100 Bewohner eine gute Flexibilität darstellen sowie ein robustes Konzept für die Umsetzung von innovativen Wohnformen verspricht. Die Konstruktion als vorgefertigter Holztafelbau mit Brettsperrholzdecken stellt sich in den Fassaden gestaltbildend dar. Das ausgereifte ganzheitliche Konzept für Energie, Wasser und Flächen sowie die materialgerechte Holzkonstruktion mit lebenszyklusbasierter kreislaufgerechter Konstruktion setzen aktuelle Nachhaltigkeitsthemen vorbildlich um. Die Gebäude sind in ökologischer, verbundstoffarmer und dennoch wirtschaftlicher Holzbauweise errichtet. Das Ziel „zirkulär und fossilfrei Leben“ wird mit dieser Herangehensweise und der konsequent ökologischen Bebauung eindrücklich umgesetzt. Hier manifestiert sich der hohe soziale und gesellschaftliche Anspruch der Bauherr:innen als Weiterentwicklung einer Genossenschaft. 

Entwurf: Praeger Richter Architekten GmbH, Berlin - Gunnar Lange Landschaftsarchitekt, Bad Belzig

 

Anerkennung für ein Feldsteinhaus Uckermark in Gerswalde

Nicht jeder Stall in Brandenburg ist ein Denkmal und dennoch steckt in den meisten viel Potenzial für eine nachhaltige und respektvolle Weiternutzung. Das Wohngebäude „Feldsteinhaus Uckermark“ (Gerswalde) entstand aus der Überformung eines halb verfallenen Kuhstalls. Der verbliebene Feldsteinbestand der Außenmauern wurde durch recycelte Ziegel ergänzt. Dabei wurde bewusst vermieden, den sich ergebenden irregulären Materialmix der Außenhülle – insbesondere an den Giebelseiten – zu verbergen. Selbstbewusst inszenieren die Architekten das Bruchstückhafte des partiellen Wiederaufbaus. Das große Oberlicht auf dem First des neu errichteten Dachs macht neugierig auf das Innere. Hier zeigt sich das überraschend moderne Gesicht des Gebäudes. Ein zentraler, tragender Betonkern im Erdgeschoss erschließt und organisiert zusammen mit der abgesetzten Holzfachwerkkonstruktion des Obergeschosses den neu interpretierten Innenraum. Ein zeitgemäßer Wärmeschutz wurde durch eine Innendämmung der Massivbauteile zusammen mit der hochgedämmten Dachkonstruktion erreicht. Flächenheizungen in Wand- und Bodenbereichen schaffen eine großzügige und ungestörte Optik der Innenoberflächen. Durch die funktionale Trennung von Alt und Neu konnten Zwangspunkte und etwaige statisch erforderliche Verbindungen zwischen dem restaurierten Feldsteinbestand und der Neukonstruktion vermieden werden. Die Jury bezeichnete das Objekt als „Kleinod der Bauerhaltung“, denn die Eigentümer haben sich der herausfordernden Planungsaufgabe gestellt und sie gemeinsam mit ihren Architekten respektvoll und kreativ gelöst. Im Sinne der Wettbewerbsauslobung würdigt die Jury die Idee einer Umnutzung zur Bestandserhaltung des nicht denkmalgeschützten, aber landschaftsprägenden Baus, die gelungene Kombination von Bestand und modernen Zutaten, sowie die geschickte Konstruktion und den nachhaltigen Materialeinsatz bei der Rekonstruktion der Gebäudehülle.

Entwurf: Katharina Löser (Löser Lott Architekten) und Daniel Groß, Berlin

Anerkennung für Umbau der Kuhdammbrücke in Wustermark

Das Güterverkehrszentrum Wustermark hat sich in den letzten Jahren gut entwickelt. Die erst 2015 errichtete Kuhdammbrücke über den Havelkanal war jedoch dem rasch zunehmenden LKW-Verkehr nicht mehr gewachsen. Die Stabbogenbrücke war ursprünglich lediglich für eine Spur mit 4,50 Breite ausgelegt. Inzwischen war eine zweispurige Brücke mit einer Fahrbahnbreite von 8,00 Meter erforderlich. Die übliche Antwort wäre ein Ersatzneubau gewesen. Nach intensiven Variantenstudien entschied sich die Gemeinde Wustermark nicht für einen Neubau, sondern stattdessen für eine zunächst als nicht realisierbar erscheinende Lösung: Die 78 Meter lange Fahrbahnkonstruktion wurde in der Mitte aufgetrennt und um einen 3,50 Meter breiten Hohlkasten erweitert. Ergänzend verstärkten die Ingenieure die nun höher beanspruchten Bögen durch aufgeschweißte Laschen. Nahezu vollständig ließ sich die vorhandene Bausubstanz weiterverwenden; lediglich 160 Tonnen Stahl und 520 Kubikmeter Beton für die Verbreiterung der Uferpfeiler kamen hinzu. Der Verzicht auf einen Neubau senkte nicht nur den Ressourcenverbrauch radikal, sondern erwies sich auch als die preiswerteste Variante. Die Kuhdammbrücke demonstriert eindrücklich, wie sich das Konzept nachhaltigen Weiterbauens auch im Bereich des Brückenbaus und der Infrastruktur umsetzen lässt. 

Entwurf: VIC Planen und Beraten GmbH,Potsdam

Engagementpreis für Heinz-Dieter Lohrer und Gordon Thalmann

Oft beginnt es mit etwas Unspektakulärem, wie einem „Steinhaufen“ mitten auf einem Acker, der in einer Baumgruppe versteckt liegt. Diesem mit Interesse zu begegnen, verdient schon Anerkennung. Durch fachkundige Beschäftigung wird der unscheinbare Fund als Rest der sogenannten Kuhburg wiedererkennbar – einer Ruine in der Prignitz, nördlich von Perleberg, bei Wüsten Vahrnow. Es sind Menschen, die diese Spuren unserer Geschichte vor dem Verfall schützen und – nicht weniger wichtig: durch kluges Marketing die historischen Orte in ihrem Umfeld ins Bewusstsein rufen und zugänglich machen. Der Regionalhistoriker Heinz-Dieter Lohrer und der Denkmalschützer Gordon Thalmann sind seit langem in dieser Mission aktiv. Heinz-Dieter Lohrer forscht wissenschaftlich vor Ort und in Archiven. Mit Unterstützung weiterer Spezialisten entsteht eine wissenschaftlich fundierte Faktensammlung, die von geophysikalischen Sondierungen über ein präzises Aufmaß bis zu archäologischen Grabungsbefunden reicht. Die Auswertung der Ergebnisse und die Suche nach Strategien und Konzepten für die Erhaltung erfolgt im Austausch mit Gordon Thalmann. Dieser nutzt sein weit verzweigtes Netzwerk nicht zuletzt dazu, alle denkbaren Möglichkeiten der Finanzierung und der Förderung des Projekts ausfindig zu machen. Durch ihre Begeisterung und Unermüdlichkeit gewinnen die beiden Anstifter immer wieder Mitstreiter hinzu, ohne die eine Realisierung nicht gelingen würde. Als preiswürdig erkennt die Jury das überdurchschnittliche ehrenamtliche Engagement der beiden Initiatoren an, weil sie sich aktiv für die Vermittlung der oft unscheinbaren baulichen und archäologischen Reste unserer Kulturgeschichte einsetzen. 

Weitere Informationen zum Baukulturpreis 2025 finden Sie auf der Website der Brandenburgischen Architektenkammer. Die Preise sind insgesamt mit 21.000 Euro dotiert, eine begleitende Broschüre dokumentiert alle eingereichten Vorhaben und würdigt die preisgekrönten Projekte und Personen ausführlich 

(https://www.ak-brandenburg.de/baukultur/brandenburgischer-baukulturpreis/2025

Die Broschüre wird auf Anfrage von der Architektenkammer ( Telefon 0331-275910, info@ak-brandenburg.de ) oder der Ingenieurkammer  (Telefon 0331-743180, info@bbik.de ) versendet.

 

Ausstellung „Brandenburgischer Baukulturpreis 2025“: 

7. Mai bis 21. Juni 2026

Stadt- und Landesbibliothek im Bildungsforum Potsdam, 

Am Kanal 47

14467 Potsdam

 

Öffnungszeiten: 

Montag 15 bis 19 Uhr

Dienstag bis Freitag 10 bis 19 Uhr

Samstag 10 bis 16 Uhr

Sonntag 13 bis 17 Uhr

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Ident-Nr
Presseinformation
Datum
06.05.2026