Spielplatzkonferenz Brandenburg a. d. Havel

Bürgerbeteiligung von klein auf

Für die Stadt Brandenburg an der Havel werden Beteiligungsprozesse immer selbstverständlicher, und dabei sind auch die Kleinsten gefragt. Im Vorfeld der Bundesgartenschau 2015 war der zentrale Großspielplatz auf dem Marienberg als wichtiger Spielstandort identifiziert und für das EFRE-Förderprogramm "Nachhaltige Stadtentwicklung" vorgesehen. 

© Planergemeinschaft Kohlbrenner

Spielplatzbeteiligung mit den Kleinsten – Der Marienberg

Der Marienberg gehört zu den größten innerstädtischen Parkanlagen und ist zudem eingetragenes Gartendenkmal. Besonderes Augenmerk liegt auf der barrierefreien Gestaltung und Zugänglichkeit der gesamten Anlage und auf dem großzügigen Spielplatzbereich auf dem Plateau des Berges.

Vor dem Hintergrund der hohen innerstädtischen Bedeutung dieser Parkanlage und der besonderen Nutzung durch die Bundesgartenschau 2015 ist für den Spielplatz eine mehrstufige Beteiligung (auch) kleinerer Kinder und Schüler durchgeführt worden. Um dies sowohl zeitlich wie personell bewerkstelligen zu können, hat sich die Stadt dabei externer Beauftragter bedient.

In zweistündigen Workshops haben insgesamt 65 Kinder im Alter von fünf bis elf Jahren ihre Wünsche und Ideen rund um das Thema „Schatz auf dem Marienberg“ formuliert und dann selbst Entwürfe entwickelt. Insgesamt sind 4 Altersgruppen (Alter 5 bis 7; 7 bis 9; 9 bis 10 und 10 bis 11) aus zwei Horteinrichtungen und einer 4. und einer 5. Grundschulklasse gebildet worden. Die Workshops sind vor Ort in den Einrichtungen durchgeführt worden, um einerseits eine unkomplizierte Handhabung im Rahmen des Unterrichts zu ermöglichen und andererseits durch eine vertraute Umgebung die Offenheit der Kinder zu unterstützen.

Die Ergebnisse wurden überwiegend mit Papier und Knetmasse gemalt, geformt, geklebt und teilweise bis ins Detail verziert. Dabei wurde durchaus „groß gedacht“, es entstanden hohe Türme, Schaukeln gleich für mehre Kinder gleichzeitig, großflächige Kletterwände und lange Röhrenrutschen. Die Kinder dachten aber auch an Wackeltiere für die kleineren Geschwister, Bänke für die Eltern oder die Trennung der Spielbereiche für kleine und große Kinder.

Unter Anwesenheit der Kinder und Schüler wurden die Ergebnisse in einem fachübergreifenden Expertengremium in der Stadtverwaltung vorgestellt. Besonders mutige kleine Nachwuchsplanerinnen und –planer haben ihre Entwürfe persönlich erläutert. Das Expertengremium umfasste die beteiligten Fachressorts der Verwaltung, Lehrer/-innen, Schulsozialarbeiter/-innen, Kita-Erzieher/-innen, Mitarbeiter/-innen der Freizeiteinrichtungen, Streetworker/-innen, die Elterninitiative Brandenburg an der Havel e.V., die Kinder- und Jugendbeauftragte der Stadt und den Stadtsportbund. Die Fachleute spiegelten die Entwürfe mit ihren Erfahrungen aus der Praxis und formulierten Gestaltungsvorgaben für die weitere Entwurfsplanung durch das beauftragte Planungsbüro.

Diskutiert wurden darüber hinaus spezielle Effekte wie Licht- oder Toninstallationen und die Gestaltungsmöglichkeiten mit dem Element Wasser. Vor dem Hintergrund der Nachhaltigkeit von Investitionen und begrenzten kommunalen Mitteln zur Bewältigung von Folgekosten wurde sich einheitlich für einfache Lösungen ausgesprochen, im Ergebnis wird es deshalb „nur“ einen Wasseranschluss und eine sogenannte Matschstelle geben.

Gerade der sprachliche Ausdruck „auf Augenhöhe“ mit den beteiligten Kindern und das Verständnis der Fachplaner, sich ggf. auch auf Änderungen einzulassen sind unabdingbar für einen gelungenen Kommunikationsprozess.

Spielplatzbeteiligung mit den Größeren – Das Packhofgelände

Nach den guten Erfahrungen mit dem Beteiligungsprozess am Marienberg ist für den Spielplatz auf dem Packhofgelände an der Havel in unmittelbarer Innenstadtlage ebenfalls eine Schülerbeteiligung durchgeführt worden.

An dieser Stelle waren die größeren Kinder und Jugendlichen gefragt. Beteiligt wurden eine 7., 10. und 11. Klasse weiterführender Schulen aus dem Innenstadtbereich und ein Jugendclub, um auch weiter entfernt wohnenden Jugendlichen die Möglichkeit einer Beteiligung zu bieten. Der überarbeitete Entwurf ist dann mit den beteiligten Schülern und Jugendlichen im wiederum einberufenen Expertengremium diskutiert worden. Es konnte einerseits gezeigt werden, welche Ideen und Wünsche konkret aufgegriffen und umgesetzt werden konnten, andererseits konnten die Gründe, wo dies nicht möglich war, erklärt und vermittelt werden. Dieser Teil des Beteiligungsprozesses ist letztlich fast noch wichtiger, als die „Wünsche abzufragen“, denn erst in der Auseinandersetzung mit dem Möglichen und den dafür zugrunde gelegten Kriterien kann Planung als Prozess auch von den Beteiligten verstanden werden.

Fazit

Die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen ist etwas, was nicht einfach nur „Spaß macht“, es ist vor allem ausgesprochen aufschlussreich und bereichernd für den Planungsprozess. Es ist beeindruckend, wie reflektiert und weitsichtig auch jüngste Teilnehmer ihre Ideen formulieren können.

Von besonderem Wert scheint mir der direkte Dialog zwischen den Generationen, d.h., die Kinder und Jugendlichen befinden sich in unmittelbarem Austausch mit den Erwachsenen und Fachexperten. Eine verständlich artikulierte Sprachform vorausgesetzt, sind auch kleinere Kinder sehr verständig, wenn es darum geht, jenseits der artikulierten Wünsche Kriterien wie Sicherheit oder Kosten in der weiteren Planung und Umsetzung zu berücksichtigen. Abgesehen von den für das jeweilige Projekt konkret umsetzbaren Ergebnissen ist die Kinder- und Jugendbeteiligung ein wichtiger Grundstein, zukünftige Generationen an Planungs- und Beteiligungsprozesse heranzuführen. Der Beteiligungsprozess wird hier zum Ermöglichungsprozess. Zu berücksichtigen sind allerdings verlängerte Planungszeiten, höhere Kosten und die Mitwirkungsbereitschaft auch der jeweiligen Fachplaner. Das sollte es wert sein.

Ansprechpartnerin: Andrea Kutzop

Die Autorin ist Leiterin des Fachbereiches Stadtplanung in der Stadt Brandenburg an der Havel.

Externe Links

Informationen zum EFRE-Programm zur nachhaltigen Stadtentwicklung