Rathaus leistet Beitrag zur Funktionsstärkung der Altstadt

Rathaus Uebigau-Wahrenbrück © Erik-Jan Ouwerkerk, Ouwerkerkfoto Bln

Das erste nachweisbare Rathaus in Uebigau-Wahrenbrück stand auf der Mitte des heutigen Marktplatzes als solitärer Fachwerkbau. Archäologische Untersuchungen ergaben, dass der heutige Marktplatz um 1500 neu angelegt wurde. Die Hauptstraße, ein „Arm“ eines ostwestlich verlaufenden überregionalen Handelsweges, legte man diagonal über den Platz. Durch Blitzeinschlag brannte das Haus im Jahre 1793 nieder und wurde am Standort nicht mehr aufgebaut.

Mehr als eineinhalb Jahrhunderte besaß die Stadt Uebigau-Wahrenbrück kein Rathaus. Erst 1851 erwarb die Kommune das Grundstück des Bäckermeisters Muschter, auf dem zu dieser Zeit das einzige in Stein errichtete Wohnhaus in Uebigau-Wahrenbrück stand. Alle übrigen Wohnbauten waren Fachwerkhäuser.

Das 1829 erbaute Gebäude wurde nach Erwerb zum Rathaus umgebaut und erhielt einen Ratskeller sowie hofseitig die sogenannte „Finke“ – die Arrestzelle der Stadt, die bis heute erhalten ist. Der Ratskeller wurde verpachtet. Da die Verwaltung nicht alle Räume nutzte, war beispielsweise von 1901-1936 im Erdgeschoss die Sparkasse eingemietet. Das Obergeschoss besaß ursprünglich einen Saal, der wie das gesamte Haus mehrfache Umbauten erfuhr. Die letzten baulichen Veränderungen erfolgten Anfang der 1990er Jahre. Seit 2003 wurde das unter Denkmalschutz stehende Haus in drei Bauabschnitten denkmalgerecht saniert.

In einem ersten Abschnitt wurden 2003 die Marktfassade und das gesamte Dach einschließlich der fassadenbreiten Mansardengaube erneuert. In einem zweiten Bauabschnitt von 2008-2012 erhielt das Gebäude hofseitig ein neues Treppenhaus und zeitgemäße Sanitäranlagen sowie zur Barrierefreiheit einen Aufzug. Mit der baulichen Erweiterung bildet der zuvor durch ein Nebengebäude bereits halb überbaute, ehemalige Hofbrunnen jetzt das „Auge“ des Treppenhauses. Aus Sicherheitsgründen musste der noch wasserführende Brunnen mit einer Glasplatte abgedeckt werden. Der dritte Bauabschnitt in den Jahren 2011-2013 umfasste den denkmalgerechten Innenausbau des Hauses.

Das Rathaus ist die bauliche Manifestation der kommunalen Verwaltung in jeder Stadt. Im Gegensatz zu heute war es insbesondere in den kleinen Städten noch viel mehr Ort für unterschiedliche Nutzungen sowie Zusammenkünfte der Bürgerinnen und Bürger, für festliche Anlässe und andere Veranstaltungen. Das Rathaus ist noch heute ein dominantes und prägendes Gebäude des für die Kleinstadt etwas überdimensionierten Marktplatzes.

Die denkmalgerechte Instandsetzung der Marktfassade mit Aufarbeitung der Sandsteingewände und Anbringung der Fensterläden war ein wichtiger Beitrag für die stadtbildgerechte Gestaltung vieler späterer Bürgerhäuser. Die Nutzung des Rathauses trägt wesentlich zur Funktionsstärkung der Altstadt bei.

Das Uebigau-Wahrenbrücker Rathaus wurde durch das Bund-Länder-Programm Städtebaulicher Denkmalschutz gefördert. Insgesamt wurden rund 743.000 Euro Städtebauförderungsmittel eingesetzt.

Die Arbeitsgemeinschaft der Städte mit historischen Stadtkernen stellt weitere Informationen zum Denkmal des Monats zur Verfügung. Die Informationen dazu finden Sie rechts unter „Externer Link“.