Workshop „Vision CO2-neutrale Kommune – alternativlos oder unerreichbar?“

Ortsschild Potsdam © Stadt Potsdam

Das MIL und die Kontaktstelle für den energetischen Umbau im Quartier in Potsdam haben diesen Workshop gemeinsam durchgeführt. Ideengeber waren zwei Kommu­nen, die am Programm 100 Prozent Klimaschutz teilnehmen. Ziel dieser Kommunen ist, bis 2050 ihre Treibhausgas-Emissionen um 95 Prozent gegenüber 1990 zu senken und ihren Endenergieverbrauch im glei­chen Zeitraum zu halbieren. Sie orientieren sich damit an den Pariser Klimaschutz­zielen und der Vision einer klimaneutralen Stadt.

Wie die Erfahrungen der an dem Programm beteiligten Kommunen auf an­dere Städte und Gemeinden übertragen werden können, wurde diskutiert.

Die Kontaktstelle für den energetischen Umbau im Quartier stellte die Ergebnisse aus der Online-Befragung vor. Die Studie des MIL wurde mit dem Hintergrund durchgeführt, einen Überblick über die Verankerung und Umsetzung von Klimaschutzzielen in Brandenburger Kommunen zu erhalten. Es zeigten sich zentrale Ergebnisse: 

  • In den Kommunen ist eine breite Unterstützung für eine engagierte Klimaschutzpolitik vorhanden, aber die tatsächlich ver­fügbaren personellen und finanziellen Ressourcen zur Umsetzung werden als nicht ausreichend einge­schätzt.
  • Die CO2-neutrale Kommune erscheint vor diesem Hintergrund vielfach tatsächlich noch als schwer erreichbare Vision. 

Die Leiterin der Koordinie­rungsstelle Klimaschutz der Landes­hauptstadt Potsdam, Cordine Lippert, berichtete über Er­fahrungen aus dem seit 2016 in Potsdam stetig voran getriebenen Masterplan-Prozess für 100 Prozent Klimaschutz. Potsdam kann auf einen seit 1995 beste­henden kommunalpolitischen Konsens für eine klimagerechte Stadtentwicklung auf­bauen, so Frau Lippert. Sie betonte, wie wichtig die seit 2008 aufgebaute Koordi­nierungsstelle Klimaschutz sei, die fachü­bergreifend die Klimaschutzaktivitäten der Stadt Potsdam bündelt und selbst immer wieder Impulse setzt.

Während in einer großen Stadt wie Pots­dam eine solche breite Verankerung des Klimaschutzes besonders wichtig ist, kann in kleinen Städten die Überzeu­gungskraft und das Engagement einzel­ner Personen besondere Wirkung entfalten. Im niedersächsischen Flecken Steyer­berg, einer ländlichen Gemeinde mit 5.200 Einwohnern, hat der Bürgermeister Heinz-Jürgen Weber das Thema Klima­schutz seit 2013 zur Chefsache gemacht. „Etwa 10 Prozent der Personalkapazitäten in der kleinen Verwaltung werden für Klima­schutz- und energiebezogene Aufgaben eingesetzt“, sagte Weber. Inzwischen seien die Steyerberger stolz über die nationale und internatio­nale Aufmerksamkeit und Auszeichnungen.

Hans Hertle, Teamleiter Kommunaler Kli­maschutz am Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg GmbH stellte in seinem Beitrag Erkenntnisse aus der Begleitung derzeit 22 Masterplankommunen in Deutschland vor. Er hob die von diesen Kommunen angestrebte Senkung des Endenergieverbrauchs bis 2050 um 50 Prozent gegenüber 1990 hervor. Erst wenn es gelinge, hier deutlich voran zu kommen und parallel den Ausbau der erneuerbaren Energiequellen fortzuführen, könnten die Klimaschutzziele erreicht werden.

Die Ma­sterpläne zeichneten sich dadurch aus, dass sie möglichst alle Handlungsfelder im Klimaschutz zusammenführten und dabei die ortsspezifischen Potenziale herausar­beiteten, so Hertle. Er präsentierte zahl­reiche inspirierende Beispiele, wie sich Kommunen mit ganz unterschiedlichen Größen und Akteurskonstellationen der Zukunftsaufgabe Kli­maschutz widmen. Entscheidend sei dabei weniger, sofort mit ambitionierten Zielen zu starten, sondern vielmehr, die vor­handenen Handlungsspielräume in den Kommunen anzugehen.

Die Präsentationen der Referenten und eine Broschürenempfehlung zur Wärmewende in den Kommunen finden Sie rechts unter "Anlagen".